Eine Reise an einem Ort

Diese Reise begann im April 2011 und dauert noch an - kleine Schritte und doch am selben Ort - und hier lege ich ein kleines Reisetagebuch vor, in dem immer wieder Neues steht zum Verlauf der Reise - an einem Ort.

Mittwoch, 7. November 2012

Kongress der GTH in Meersburg

Der Kongress fand in diesem Jahr wieder im Schloss statt, das nach einer zweijährigen Umbaupause im April wieder eröffnet wurde und damit in den letzten Tagen auch der GTH zur Verfügung stand.

Das Neue Schloss - Barockfassade Seeseite
Es handelt sich bei diesem Gebäude um einen ehemaligen Sommersitz der Fürstbischöfe von Konstanz und damit ist der Name etwas irreführend. Der Bau, 1712 fertiggestellt, feierte damit in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag - und der Kongress der GTH wurde zum 23ten Mal durchgeführt. Thema: Bewusstseins-Wandel statt Burnout.
Einer der Vortragenden nannte (sinngemäß) Burn-out die Krankheit der Gewinner und Depression die der Verlierer. Tatsächlich hat das Wort Burn-out derzeit beinahe Modecharakter und somit eine Inflation erfahren. Erschwerend kommt vielleicht dazu, dass sich Burn-out in der ICD 10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen) unter dem Titel: Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung findet und nicht als eigenständige Störung klassifiziert ist, die Symptome denen einer Depression aber durchaus ähnlich sein können. In der ICD 10 wird Burn-out eher schlicht als 'Erschöpfungssyndrom' bezeichnet und nicht weiter aufgeschlüsselt. 
Wie auch immer man es nun nennen will oder kann, das Phänomen ist verbreitet und wird vermutlich auch weiterhin zunehmen. Die Anforderungen im Berufsleben werden auch sicherlich nicht geringer und es gehört zusätzlich schon beinahe zum 'guten Ton', auch in der Freizeit ständig aktiv und ausgeplant zu sein. Womit der Begriff 'FREI(e)zeit'damit auch wieder ad absurdum geführt wäre. Was tun? 
Diese Frage und auch andere waren Thema des Kongresses und eine - in meinen Augen - wesentliche Antwort ist eben die: sich dessen bewusst werden und dann etwas ändern. Klingt stark vereinfacht? Mag sein. Sich aber seinen eigenen Tages-und Wochenablauf vor Augen führen und einfach einmal abklopfen auf die Dinge, die wirklich getan werden müssen - und die Dinge, die vielleicht auch nicht getan werden müssen. Muss ich an jedem Wochenende mich in Kultur stürzen, ständig mit anderen Menschen treffen und außer vielleicht einer Stunde am Frühstückstisch von einer Aktivität in die nächste fallen, nur, um am Montag erzählen zu können, was ich wieder alles erlebt habe? 
Ich persönlich meine: nein. Ich darf auch einfach mal nichts tun, einfach mal nichts planen. Oder auch etwas planen, aber das dann auch ohne schlechtes Gewissen wieder fallen lassen und mich fallen lassen. In meinen Sessel mit einem Buch. Oder einfach nur wirklich ins Nichts-tun. Das erfordert keine zusätzliche Beschäftigung wie Meditation, sondern kann einfach nicht getan werden.

Insgesamt war dieses Wochenende tatsächlich durchaus verplant, bot aber immer wieder Raum und Zeit, sich mit den Menschen zu treffen, die den Rest des Jahres über die ganze Republik (und darüber hinaus) verstreut sind und einfach zu plaudern, gemütlich beisammen zu sitzen, zu essen und auch ein Gläschen Wein zu trinken und einfach auch das wunderbare Wetter am Bodensee zu genießen.

Blick auf den Bodensee vom Cafè 'Droste' aus - Freitag nachmittag

Das Bertha -Tanztheater führte am Freitag Abend ein beeindruckendes Stück auf, das auch erfüllten Beifall erntete.

Bertha Tanztheater- Requisiten zu
I-C-H  M-I-C-H  S-I-C-H
   vergiss mich nicht
        L-I-C-H-T

 
Samstag und Sonntag waren durch die Seminare gefüllt und am Montag schlossen sich die Workshops an. Mein gewähltes Seminar glich mehr einer Vorlesung,
Bewusstsein im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Spiritualität von
Dr. Brigitte Görnitz und Prof. Dr. Thomas Görnitz. Vermutet jemand hinter diesem Titel eine Vorlesung zum Thema Quanten durch Physiker? Nicht? Genau das war es aber und insgesamt sehr interessant, durch die Quanten konnten einige Vorgänge erklärt werden, die eigentlich nicht erklärbar sind und es werden Dinge möglich, die eigentlich nicht möglich sind. Bevor ich jetzt aber in eine Missverständnisfalle tappe und Dinge aus der Vorlesung falsch wiedergebe, biete ich hier lieber einen Link zur  Homepage der beiden und sage nur - es war sehr interessant, sehr lehrreich und bedarf einer Wiederholung anhand der ca. 290 Folien zum Thema.

 Montag also Workshops, ich hatte mir Stefan Cassani ausgesucht unter dem Titel: Reise zu mehr Achtsamkeit und Präsenz. Cassani ist - Clown, Artist und einfach ein sehr angenehmer Mensch. Zusammen mit Raffael und Miriam führte er uns durch 3 Themen, deren wichtigstes das Vertrauen ist. Das Vertrauen wird spürbar bei einer Übung, in der man auf einem ca. 3 m langen Bambusstab von ca. 20 cm Durchmesser steht, einfach nur dasteht. Jede Schwankung, jeder Moment des beinahe-fallens wurde von Stefan und Raffael ausgeglichen. Ich falle nicht! Eine erstaunlich intensive Erfahrung. Später wurden sich einfach nur Stäbe, Bälle oder Holzschwerter zugeworfen, paarweise oder im Wechsel, ich stand lange Miriam gegenüber und hätte mit ihr stundenlang weiterspielen - ja - spielen können. Es hatte manchmal etwas von zureichen, manchmal fast etwas von Tanz und die wenigen Male, die etwas runterfiel - naja, es hat nicht gestört. Ich bedauere es immer, wenn die Montage vorbei sind...
Die Homepage von Cassani spiegelt irgendwie die Leichtigkeit wieder, die teilweise spürbar war, die Lust am Spiel. Das, was wir als Kinder einfach so tun und dann häufig später als Erwachsene erst mühsam wieder erlernen müssen...

Regentropfen auf Glas - Saal im Erdgeschoss


 Während im ersten Stock Matthias Ohler zum Ausklang einen Ritual-Gesang „Ndjem Ndjei“ vortrug, stand ich unten im Saal auf dem Weg nach draußen und konnte dann doch diesen Moment noch für mich einfangen.
Es waren sehr erfüllte und insgesamt schöne Tage. Wer einfach das ganze Programm mal sehen möchte, schaue einfach hier - pdf nach. Hoffentlich bis zum nächsten Jahr :)

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