Eine Reise an einem Ort

Diese Reise begann im April 2011 und dauert noch an - kleine Schritte und doch am selben Ort - und hier lege ich ein kleines Reisetagebuch vor, in dem immer wieder Neues steht zum Verlauf der Reise - an einem Ort.

Samstag, 23. Februar 2013

Zukunftswerkstatt Dorfentwicklung

am 23.02.2013 im Dorfgemeinschaftshaus Lehnsdorf ab 9 Uhr. Es wurden 200 Einladungen verschickt, gekommen sind vielleicht 50 Gäste. Geladen wurde von der Bürgermeisterin von Wiesenburg, Frau Klembt, und es ging um die Weiterentwicklung der Gemeinde in den nächsten 20 Jahren. Warum 20 Jahre? Sozusagen die nächste Generation. Im Hinblick auf die Frage: wer kümmert sich dann um Feuerwehren, Gemeinschaftshäuser, Feiern, und v.m. Oder kurz gesagt: wer ist dann noch da? Und was kann getan werden (in und von der Gemeinde), um die Dörfer attraktiv zu machen für neue Menschen?

Als Einführung gab es einen recht umfassenden Vortrag über die demographische Entwicklung, vor allem in Hinblick auf den Geburtenknick nach der Wende. Die folgenden Aussagen sind Zusammenfassungen aus dem Vortrag, und den Arbeitsgruppen sowie aus der Schrift: 'Die Zukunft der Dörfer', herausgegeben durch das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Erste Auflage 2011. Der Projektleiter der Feldforschung, Dr. Steffen Kröhnert, hielt den Vortrag.
Dazu eine kleine Anmerkung: die Verwendung des Wortes 'Schrottimmobilie', womit in der Schrift längerfristig leerstehende und beschädigte Gebäude (dann auch zu Recht) bezeichnet werden, wurde vom Vortragenden etwas undifferenziert auf leerstehende Gebäude angewendet und fand damit nicht unbedingt Zustimmung... Wir haben im Zuge unserer Rundreise diverse Immobilien gesehen, die man berechtigterweise so bezeichnen kann, hier im näheren Umkreis sind mir solchen zumindest noch nicht aufgefallen. Zurück zum Thema.

Insgesamt wird bis zum Jahr 2030 ein Bevölkerungsrückgang in DE von 12 Millionen Menschen erwartet - und davon sind vor allem die Dörfer betroffen. Wenn in einer Großstadt 10 Prozent der Einwohner wegfallen, macht sich das nicht sofort bemerkbar, wenn in einem Dorf wie Lehnsdorf 10 % der Einwohner wegfallen, bedeutet das unter anderem auch, dass plötzlich 5 Häuser leerstehen. Genaue Gründe dafür, warum ein Dorf prosperiert und ein anderes, nur ein paar Kilometer davon entfernt, verfällt, ließen sich nicht feststellen.
Es gibt aber einige grundsätzliche Annahmen: die Attraktivität eines Dorfes als Wohnort hängt u.A. auch von der Entfernung zum nächsten Zentrum ab. Da ist die Gemeinde Wiesenburg recht gut aufgestellt durch seine zentrale Lage, zumindest, was den individualverkehr betrifft. ÖPNV hat noch Erweiterungsbedarf, in welcher Form auch immer, darüber waren sich dann auch alle AGs einig.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist eine funktionierende Gemeinschaft, sowohl innerdörflich als auch zwischen den Dörfern und ein bestehendes, ehrenamtliches Engagement. Damit das funktionieren kann, muss allerdings auch die Verwaltung der Gemeinde ansprechbar sein.
Ein interessanter Vorschlag, dem ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen kann, ist: die umfangreichen, rechtlichen Regelungen (ich nenne jetzt mal die Barrierefreiheit, die durch das Europäische Recht noch mehr Beachtung finden muss) sollten den Gegebenheiten angepasst werden. Sprich: da diese ganzen Verordnungen auf wachsende Städte ausgerichtet sind, überfordern sie kleinere Kommunen finanziell. Und nicht nur die Kommunen, sondern auch die sich möglicherweise ansiedeln wollenden Menschen.
Ein weiterer Punkt waren unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten, auch durch private Stiftungen, wobei es die letzteren häufig vorziehen, spektakuläre Dinge zu fördern, die ihnen einen regelmäßigen Auftritt in den Medien sichert. Hier war der Vorschlag, einen Fond einzurichten, in dem solche Stiftungen Gelder einzahlen und auch durch die öffentlichen Förderungen Geld fließt und das ganze dann auf Gemeindeebene und mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand zu verteilen. Maik, der immer wieder Förderungen für seine Jugend benantragt, merkte an, dass der Ertrag den Aufwand eigentlich nicht rechtfertige. Und hatte seine Zweifel, wenn z.B. die drei 'Balkan'dörfer jeweils etwas beantragten, dann allen stattgegeben werde. Dem hielt Frau Klembt entgegen, dass dann alle drei gemeinsam etwas beantragen könnten. Dazu wäre entweder die Schaffung eines übergeordneten Vereins nötig oder die Nutzung eines bereits bestehenden. Das würde den Antragsweg vereinfachen und es müsste sich nicht jeder durch den Antragsdschungel und Richtlinienpapierberg kämpfen.
Abschließend wurden die in den einzelnen Arbeitsgruppen gesammelten Punkte kurz vorgestellt und übereinstimmend beschlossen, vor einem neuen Treffen in großer Runde zuerst in den jeweiligen Dörfern noch einmal darüber zu sprechen. Die einzelnen Arbeitsgruppen können sich im Herbst noch einmal treffen, für den 'Balkan' ist Oktober 2013 angepeilt, das nächste große Treffen dann Ende Januar/Anfang Februar 2014.
Man darf gespannt sein, was sich daraus entwickeln lässt.

Und nun zu etwas ganz anderem: Schneesicheres Gebiet war die eine Aussage, es war schonmal schlimmer die andere - was nichts daran ändert, dass es hier seit 3 Tagen wieder ziemlich ununterbrochen schneit und sich eine interessante Schneewehe auf dem Dach schräg gegenüber gebildet hat.
Ein schönes Wochenende, ob nun mit oder ohne Schnee!



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