Eine Reise an einem Ort

Diese Reise begann im April 2011 und dauert noch an - kleine Schritte und doch am selben Ort - und hier lege ich ein kleines Reisetagebuch vor, in dem immer wieder Neues steht zum Verlauf der Reise - an einem Ort.

Montag, 2. September 2013

'Im Namen der Freiheit'

"Ich bin Hans!", das sind die ersten und letzten Worte, gesprochen von Sebastian David im 2-Personen-Stück "Im Namen der Freiheit" von Julia Strehler (Regie und Text). Die Ur-Aufführung fand am 31.08.2013 in Hagelberg statt. Dort, wo vor 200 Jahren die 'Schlacht am Hagelberg' geschlagen wurde.
Hans geht mit vorsichtigen, bloßen Füßen über die ungemähte Wiese und: 'ja, hier muss es gewesen sein.'
Das Stück wechselt zwischen beinahe sachlicher Beschreibung der Truppenbewegungen und dem ganz persönlichen Empfinden zweier Männer, ein namenloser französischer Soldat/Offizier? (Daniel Pillon) und ein Bauer, der sich der Landwehr anschloss. 'Im Namen der Freiheit'. Dazu ein kürzestmöglicher geschichtlicher Abriß (Geschichte war nie mein Lieblingsfach und die Gründe für Kriege sind m.A. nach ohnehin häufig Ausglegungssache).
Diese Schlacht war Teil der sog. Befreiungskriege. Von wem? Den Franzosen. Ausgangspunkt der Napoleonischen Kriege war wiederum die französische Revolution (liberté, égalité, fraternité). Bleiben wir bei Liberté. Beide Seiten wollten also die Freiheit. Und schlugen sich im Namen derselbigen am Hagelberg die köpfe ein.  Wer genaueres dazu lesen möchte,. schaue einfach in der Fachliteratur oder auch bei Wikipedia nach, zum Beispiel hier: Schlacht bei Hagelberg
Hans, anfänglich voller Begeisterung über seine Teilnahme am großen Ganzen, an der Befreiung, stellt im Laufe des ersten Gefechtes fest, dass es 'kein Spiel' ist. Sein französischer Gegenspieler ist der Schlachten bereits müde und kann nur mitleidig leise spotten über die Begeisterung der Landwehr, die ja doch nur Kanonenfutter seien. Und dafür auch zusammengerufen. Im zweiten Gefecht fällt Heinrich, der Hans zur Teilnahme an diesem Feldzug aufgerufen hatte. Heinrich, auch ein Bauer (ebenfalls gespielt von Daniel Pillon - und manchmal von einer Mütze auf dem Stiel einer Heugabel) war ein guter Freund von Hans.
Und am Ende, nach dem Gefechten, nach dem Sieg der Preußen, geht Hans, mit Heinrich über der Schulter, Heinrich, den er dann begräbt. Er geht und niemand kümmert sich um ihn, einzeln und zu zweit haben alle das Schlachtfeld verlassen. 3000 Männer blieben am Hagelberg und die Erde war sumpfig vom Regen und auch vom Blut, dem Blut, das unter der Erde, in der Erde gleich aussieht. 'Die Erde macht da keinen Unterschied.'
Hans schließt mit den Worten, er versuche weiterhin seinen Alltag zu bestreiten, sein Feld zu bestellen, aber die Stimmen lassen ihn nicht los.  
Das Stück, die beiden Schauspieler, hat mich sehr beeindruckt. Warum? Weil es immer noch ach so aktuell ist und die Absurdität von Kriegen so deutlich darstellt.

Freiheit. Liberté. Libertad. Liberty. Frihet. Frelsi. Libero. Rhyddid.

Alles Worte aus verschiedenen Sprachen für denselben Begriff.  Dieselbe Bedeutung? Vermutlich eher nein. Ich vermute, man bekommt 10 unterschiedliche Antworten auf die Frage: was ist eigentlich Freiheit?, die man 8 Menschen stellt. Eine Stunde, zwei Männer, ein großes Thema ergreifend dargestellt und so deutlich, dass man sagen möchte: sehr es euch an. Seht doch hin! Und zieht eure eigenen Schlüsse.

Kontrahenten


Daniel Pillon



Sebastian David


vereint








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