Eine Reise an einem Ort

Diese Reise begann im April 2011 und dauert noch an - kleine Schritte und doch am selben Ort - und hier lege ich ein kleines Reisetagebuch vor, in dem immer wieder Neues steht zum Verlauf der Reise - an einem Ort.

Montag, 23. Juni 2014

100 Jahre Wasserwerk

Nun ist der große Tag, auf den mindestens die Theatertruppe ein Jahr lang hingearbeitet hat, schon vorbei. Laut unserer Nachbarin endete das Fest wohl so gegen 2 Uhr nachts und vermutlich saß dann dort nur noch der harte Kern, aber macht ja nichts.
Ofiizieller Beginn des Ganzen war um 13 Uhr am Wasserwerk, die Kuchenspenden waren schon gegen 10 im DGH (Dorfgemeinschaftshaus) abzugeben und geräumt wurde dort ab 9 Uhr; das Festzelt schon einen Tag vorher aufgestellt.
Unser Weg zum Wasserwerk beträgt kaum 100m, einfach nur hinten aus dem Gartentor, das Hügelchen hoch und schon standen wir mitten im Geschehen.
Nach der Begrüßung und den Programmpunkten las Dietlind eine Text vor, den ihr Großvater 1914 zur Dürre in die Familienbibel geschrieben hatte, leider endet der Bericht recht unvermittelt, während noch diejenigen aufgezählt werden, die mit mehr oder minder großem Erfolg nach Wasser auf ihren jeweils eigenen Grundstücken gebohrt hatten.
Das Grundwasser liegt in unserem Wasserwerk bei 85, bzw. 125 m und wird im wesentlichen in den Filtern von Eisen und Mangan gereinigt, es kommt mit einem relativ niedrigen pH-Wert an und wird mit etwas über neutral in die Leitungen geschickt. Anhängig sind Lehnsdorf, Grubo, Klepzig, Mützdorf und Welsigke.
Bis in die 60er Jahre wurde die Anlage durch ein Windkraftwerk betrieben, was ziemlich laut gewesen sein muss.
Das Werk konnte in kleinen Gruppen besichtigt werden und auch die Entnahme eines ordentlichen Probeschlucks war möglich und ganz ehrlich, so ganz frisch, nur durch die Filter, schmeckt das Wasser - noch frischer und kühler als zu dem Zeitpunkt, an dem es dann bei uns aus der Leitung kommt. Eigentlich wollte der Vortragende etwas zum Leitungsverlauf sagen, das ging dann in irgendeiner Frage unter und nun weiß ich nicht, wohin das Wasser zuerst fließt.
Es folgt ein Artikel aus der MAZ Online:
Lehnsdorf. Die Zeiten waren hart, vor mehr als 100 Jahren in den Dörfern des Hohen Flämings. Ganz schwer hatten es die Bewohner von Lehnsdorf, das damals noch Lotschke hieß. Den mehr als 200 Einwohnern machte besonders die Wasserversorgung zu schaffen. Immer wieder war das Trinkwasser knapp und die Brunnen mussten verschlossen werden. Dann durften die Menschen lediglich zweimal am Tag antreten und je zwei Eimer füllen. Gelegentlich versiegten die Quellen gänzlich. Dann machten sich die Lehnsdorfer auf den Weg nach Raben oder Zernsdorf, um dort um Wasser zu bitten.
Ein unhaltbarer Zustand, fanden die Einwohner und begannen mit den Planungen für ein eigenes Wasserwerk. Am 8. Februar 1914 wurde es eröffnet. Am Samstag feiert Lehnsdorf den 100. Geburtstag.
Um 13 Uhr beginnen die Feierlichkeiten, eröffnet durch Ortsvorsteher Lutz Knape. Danach wird Dietlind Lubisch einen Bibeleintrag ihres Großvaters Herrmann Polster vorlesen, der im Jahr 1911 über die ungeheure Trockenheit und die damit verbundenen Leiden klagte.
Weiter geht es mit einem Gedicht von 1914, das zur Einweihung des Wasserwerks geschrieben wurde. „Es hat 16 Strophen. Jede wird von einem anderen Lehnsdorfer gesprochen“, erzählt Lore Stefanek, die für die Dramaturgie des Stückes verantwortlich ist. Auf dem Festprogramm stehen außerdem Blasmusik im Festzelt und Führungen durch das Wasserwerk. „Aber immer nur sieben Personen auf einmal“, sagt Peter Gronemeier, Betriebsleiter des Wasserversorgungsverbandes „Hoher Fläming“.
Gronemeier will das im Jahr 1959 erbaute Gebäude vorstellen. Mit dabei hat er Becher, damit die Lehnsdorfer ihr Wasser schmecken können. „Es ist einfach etwas anderes, wenn es nicht erst durch Leitungen muss und dort eine Weile steht. Im Wasserwerk ist es frischer und auch kälter“, sagt er. Der Wasserexperte hält oft Vorträge vor Schulklassen. Dass ein Ort sein Wasserwerk feiert, hat er indes noch nie erlebt.
„Daran sieht man mal, wie wichtig uns diese Brunnen sind. Heute haben wir uns daran gewöhnt. Doch wie groß muss die Freude wohl gewesen sein, als die Anlage in Betrieb ging“, sagt Sabine Zurmühl. Die Lehnsdorferin hat sich in den vergangenen Wochen in alten Akten vergraben und Erstaunliches zutage gefördert. So sorgte eine Windturbine dafür, dass das Wasser aus den beiden 80 und 125 Meter tiefen Brunnen bis in den Reinwasserbehälter gepumpt wurde. Elektrizität gab es im Ort erst ab 1934. Das Windrad war auf einer Eisenkonstruktion befestigt und weithin sichtbar. Die Schichten, durch die sich der Bohrer arbeiten musste, waren Lehm, Sand, Kies und Stein. Erst dann kam das klare Trinkwasser.
Die Anlage kostete 25000 Mark (heute etwa 117500 Euro). Alle Bewohner haben sich an den Kosten beteiligt. Heute versorgt der Brunnen nicht nur Lehnsdorf, sondern auch Klepzig, Grubo, Mützdorf und Welsigke. Zur Feier sind darum alle eingeladen.
Von Stefan Specht
Quelle: http://www.maz-online.de

So langsam bewegte sich dann alles in Richtugn DGH, um dort der Uraufführung des o.e. Stückes beizuwohnen. So voll war das DGH lange nicht, immer mehr Stühle mussten herangetragen werden und am Ende standen doch noch einige. Und das Publikum war - begeistert. Viel Beifall, auch zwischen einzelnen Szenen und hinterher immer wieder und wieder ausgesprochenes Lob. Genug der Worte, lasset Bilder sprechen!

mit stimmungsvollem Himmel

Frischer geht es nicht!

Das Dorfgemeinschaftshaus - voll besetzt!

man wartet auf die Öffnung des Brunnens

und die Älteste hat Vorrang!

neue Zeiten brechen an: das Wasser kommt aus der Leitung!

ein Blumenstrauß für Lore Stefanek
Nach dem Wasserwerksgedicht trug Elsbeth Wotschke noch ein Heimatgedicht zum Hohen Fläming vor. Damit alle da stehen, wo sie stehen sollen und aber auch Sessel und Lampe am richtigen Ort sind, brauchte es wohl auch 3 Proben.

Die ganze Arbeit, die in dem etwas über 10 Minuten dauernden, in Szene gesetzen Gedicht steckt, ist hinterher nicht mehr zu sehen, um so schöner, dass der volle Saal die Arbeit aller deutlich gewürdigt hat
Das Ganze kann nun als Probelauf für das nächste Jahr angesehen werden, wenn Lehnsdorf 800jährigen Geburtstag feiert. Was mich daran erinnert, dass mein Beitrag zur Chronik noch in Arbeit ist..
Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche und - wenn auch etwas verspätet - einen schönen Sommeranfang :)

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