Eine Reise an einem Ort

Diese Reise begann im April 2011 und dauert noch an - kleine Schritte und doch am selben Ort - und hier lege ich ein kleines Reisetagebuch vor, in dem immer wieder Neues steht zum Verlauf der Reise - an einem Ort.

Bogenschießen

Dezember 2012
Inzwischen gehört das Bogenschießen wenigstens einmal in der Woche zum Alltag und ich bin dabei, nach und nach alle Bögen von Kunst-Griff einzuschießen. Seit einigen Wochen kommen Dienstag abends Ute und Katharina (Katharina ist 14) und wir schießen gemeinsam 1 - 1 1/2 Stunden. Zuerst alle im eigenen Tempo und mehr oder weniger gleichzeitig. Dann wird ein Ballon aufgehängt, es kehrt ziemlich sofort Ruhe ein und jede schießt einen Pfeil, dann ist die nächste dran. Es wird deutlich konzentrierter geschossen und das Ganze geht so lange, bis entweder irgendwer den Ballon trifft oder aber die Zeit sich dem Ende zuneigt. Am Ende schießen wir dann gemeinsam mit Abzählen, wobei die fünf - das Absetzen nach dem Nachhalten - gerne vorweggenommen wird. Unsere 'Ziele' sind sehr unterscheidlich. Ich versuche, meinen Ablauf so fließend wie möglich zu bekommen, Ute genießt den Moment vorm Ablassen des Pfeils, der dann wie beim Yoga so ein absoluter Ruhepunkt ist, der Moment beim Ausatmen, wo man eigentlich nicht einatmen muss oder auch nur möchte. Katharina habe ich noch nicht gefragt, aber ich vermute, sie ist zufrieden, wnen sie den ganzen Ablauf hinbekommt und ab und zu auch den Ballon trifft. ;) Aber Spaß haben wir alle, unabhängig von der Zielsetzung!

2012
Etwas auf Eis gelegt, aber allmählich schreckt nicht mal der Regen mehr wirklich davon ab. Es begann im November 2010 mit einem Workshop, Titel: ziele nicht, dann triffst Du!
Der Workshop fand im Rahmen des Kongresses der GTH in Meersburg statt und dauerte leider nur einen Tag. Ich mochte mich nur ungerne von 'meinem' Bogen trennen, der mir neu und doch so vertraut war.
zurück in Berlin ohne wirkliche Ahnung auf die Suche begeben nach intuitivem oder therapeutischen Bogenschießen und lediglich einen Verein gefunden, die mit High-Tech-Bögen schießen (und im Winter ohnehin niemand aufnahmen und darüber hinaus noch zahlreiche Aufnahmekriterien anführten...). Also blieb das Bogenschießen vorerst eine liebe Erinnerung.
Angeboten wurde der Workshop von Raimund Widmer aus der Wollmarshöhe, eine Klinik für psychosomatische Medizin. Dort wird Bogenschießen als Therapie eingesetzt und es wird auch darin ausgebildet. Der Kurs im Frühling war bereits voll, als ich mich wieder mit der Thematik beschäftigte, daher habe ich meine Ausbildung ganz frisch im letzten Quartal 2011 absolviert. Trotz der ewig langen Fahrtzeiten hat sich jedes der 4 Wochenenden gelohnt.
Inzwischen nenne ich einige Bögen mein Eigen und freue mich darauf, das Bogenschießen auch als Ressource und zur Entspannung demnächst anzubieten.

nach Ostern 2012
Wir hatten Besuch zu Ostern - und dieser Besuch war neugierig auf Bogenschießen. Vor allem Sarah, 7 Jahre, hätte damit am liebsten jeden Tag gefüllt.
Anfangs hatte ich ihr einen schwachen Bogen gegeben, den ich extra für Kinder erstanden hatte. Dieser Bogen hat keine Pfeilauflage und der Pfeil muss daher über den Handrücken geschossen werden. Mit der Koordination aller neuen Dinge wie Pfeil einlegen, festhalten, Bogen spannen, richtig stehen und so weiter, war Sarah dann doch etwas überfordert, so dass sie sich einfach den Bogen nahm, den ich für ihre Mutter ausgesucht hatte. Mit 25 lbs im Vollauszug schon für einige Erwachsene zu anstrengend, konnte Sarah damit gut umgehen.
Da der Bogen recht groß und auch vergleichsweise schwer ist, klemmte sie ihn anfangs einfach zwischen die Beine, um den Pfeil einzulegen, am zweiten Tag konnte sie ihn bereits in der Hand behalten. 
Am beeindruckensten für mich war, dass sie schon am zweiten Tag deutlich sicherer im Bewegungsablauf war und das Pfeil einlegen schon ganz intuitiv erledigte. Sie musste zwar immer kontrollieren, ob der Pfeil auch im rechten Winkel liegt (ohne wirklich zu wissen, was es ist - und mir ist auch spontan keine kurze Erklärung dazu eingefallen), aber gesehen hat sie die richtige Lage durchaus.
Fazit: es hat uns beiden viel Spaß gemacht und nun wünscht sie sich auch einen eigenen Bogen.
Dazu werde ich mich an Kunst-Griff wenden. Dort habe ich auch meine ersten 2 Bögen (und die folgenden bekommen). Kunst-Griff haben eine kleine Werkstatt in einem Neuköllner Hinterhof und wurden mir von einem Kollegen aus dem Seminar in Wollmarshöhe empfohlen.
In den Seminarunterlagen hieß es, die Anschaffung eines eigenen Bogens sei sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben. Nach dem ersten Termin war für mich aber klar - ich möchte/brauche einen eigenen Bogen. Brauchen, da wir im Rahmen der Ausbildung auch ein paar Termine mit einem Probanden abhalten sollten, um die gelernten Dinge anzuwenden und zur Auswertung zu dokumentieren. Und möchten - weil ich einfach nicht immer 4 Wochen auf die nächste Möglichkeit des Bogenschießenes warten wollte.
Allerdings dauerte es dann noch bis zum zweiten Termin, bevor ich wieder in Berlin mich um die Bögen kümmern konnte. Bögen? Ja, wenn auch eher ungeplant..
Am Montag, nach meiner Rückkehr nachts um halb 3 endlich ausgeschlafen, mit den beiden einen Termin vereinbart und im Nieselregen zur Werkstatt gelaufen. Ich gab meine Wünsche bekannt (30, 35 lbs, Langbogen, Holz) und erntete erst etwas geknickte Blicke - Bögen dieser Zugstärke seien seit letzter Woche gerade aus. Michael holte aber trotzdem einige Bögen aus den Regalen und ließ sie mich mal testen, allerdings mit Zugstärken ab 50 lbs aufwärts schlicht nicht meine Kragenweite. Es folgte ein feiner 20 lbs Recurvebogen, sehr angenehm und weich im Auszug, aber mir dann zu schwach. Auch ein Manau (Rattan) Bogen mit der Zugstärke war sehr ansprechend - aber auch zu schwach. Es sah also so aus, als müsste ich bogenlos von dannen ziehen, bis Linda sich an einen Langbogen erinnerte, den sie für sich gebaut hatte. Esche, mit Lederrücken und 30 lbs. Gesehen, getestet und für gut befunden. Dann stand ich da mit dem Bogen im Arm und konnte auch den Blick nicht von dem kleinen Escherecurve lassen. Habe diesen dann recht spontan für meine Mutter mitgenommen.
Insgesamt war es ein sehr schönes 'einkaufen', beide haben sich sehr viel zeit genommen, Kaffee gab es auch und überhaupt - es war einfach nett.
Alles in allem waren sowohl die fachlich kompetente Beratung, die schönen Bögen und natürlich die Sympathie der Grund dafür, warum ich die Bögen für meine noch hypothetischen Kursteilnehmer auch dort bestellt habe - und wir beim Abholen derselben beide auch eingeladen haben, uns einmal zu besuchen ;)
Danke an euch beide!

06.05.2012
Neues vom Bogenschießen. Was habe ich auf der Sunbow-Ranch im Seminar gelernt?
  •  Stetsons behüten einen bei jedem Wetter optimal und schützen auch gegen Mücken ;)
  • Bogenschießen zu Fuß bereitet einen so gut wie gar nicht auf das Bogenschießen vom Pferd aus vor
  • eigentlich schießt man nicht den Bogen, sondern die Pfeile - und ganz eigentlich nicht mal die..
  • und vieles mehr...
Wir waren eine kleine Gruppe von 4 Personen (Bertold, Carrie, cris und ich), maximal nehmen Christian und Daja 6 Personen in ein Seminar. Und es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob man bereits Bogenschießen kann oder reiten oder auch nicht, alle bekommen die gleiche Ausbildung, die Details werden allerdings auf den jeweiligen Kenntnisstand der Person zugeschnitten. Und das Holzpferd ist für alle obligatorisch, auch in den Turnieren. Einführung in die unterschiedlichen Bögen, Pfeile und grundlegende Handhabung, Übungen, die in groben zügen das Schießen aus der Bewegung heraus nahebringen sollten. Kaum war eine Übung absolviert, hieß es dann:
Aber es ist eigentlich sowieso alles ganz anders, weil.. kurz um - man sitz auf dem Pferd, das Pferd bewegt sich und damit fliegt auch der Pfeil ganz anders, als man es vom Boden aus kennt. Ganz zu schweigen davon ist die vorderste Pflicht, das Pferd NICHT mit dem Bogen zu berühren! Was mit dem ungespannten Bogen vielleicht noch als kleiner Klaps ankommt, ist beim Rückschlag der entspannten Sehne ein ordentlicher Hieb, welcher das Pferd je nach Temperament reagieren lässt und im schlimmsten Fall einen bleibenden Eindruck hinterlässt - und das Pferd in Zukunft beschließt, keinen Bogen mehr in der Nähe zu dulden.
Das Holzpferd

Das Holzpferd wurde konstruiert, um mit den Kindern, die regelmäßiges Training haben, das nicht-berühren des Pferdes so lange zu üben, bis es sitzt. Wichtig ist hier auch, dass sich das Holzpferd bewegt, um eben die Bewegungen des Pferdes nachzuahmen, auf einem Faß sitzend ist es einfach, den Bogen aus dem Weg zu halten. Und das Holzvieh wackelt ziemlich!
Ich bin immer noch der Meinung, ein Pferd im Galopp wackelt weniger, testen konnte ich diese Hypothese nicht, da mir aufgrund der nicht vorhandenen Reiterfahrung verständlicherweise leidglich die teilnahme im Schrittwettbewerb gestattet wurde - aber dazu später mehr. Der Haken an dem galoppierenden Pferden ist ihr Tempo...
Mich hat ganz gemächlich und geduldig Boy durch die Bahn getragen:


Ich hatte her damit zu kämpfen, die notwendige Anzahl an Pfeilen in der Bogenhand unterzubringen. Mit 4 gelang es mir so einigermaßen, von den 9, die Christian unten auf dem Bild ganz entspannt festhält, bin ich noch weit entfernt.

Pfeilmikado nach Christian
Ich denke, mit Übung, Übung und ach ja, noch ein Weilchen Übung sollte auch mir das irgendwann gelingen.
Es wurden uns auch unterschiedliche Schusstechniken gezeigt, Bertolt stieg recht kurz entschlossen auf die Daumentechnik um und bestritt damit auch das Turnier. Ich bin mir bei der Technik nur im Wege...
Es gab immer wieder die Gelegenheit, alle Fragen zu stellen, die Atmosphäre war sehr entspannt. Allerdings wird in den 2 Tagen jeweils von 10 - 17 Uhr (mit Mittagspause) sehr viel vermittelt, was sich bei mir zumindest erst nach und nach gesetzt hat. Langeweile kommt auf keinen Fall auf.
Die Teilnahme am Seminar berechtigte zur Teilnahme am Walpurgisturnier, leider konnten weder Cris noch Carrie teilnehmen. Bertold trat im Galopp an und ich im geführten Schritt.
Fazit? Puh. In den Vorbereitungen für so ein Turnier steckt viel Arbeit und auch im Lauf des Turniertages fällt einiges an, glücklicherweise verteilen sich die ganzen Arbeiten auf viele und man kann sich doch gut abwechseln. 7 Pakete Nudeln kochen dauert auch so seine zeit, hatte Daja am Vorabend angeboten, mich darum zu kümmern, damit sie entspannt am Wettkampf teilnehmen konnte.
Trotzdem hatte ich noch ausreichend Gelegenheiten zum zusehen und zum Fotografieren und Filmen. Und zum Staunen. Am meisten beeindruckt hat mich Lara, die in meinen Augen wie angewachsen auf Sally saß. Sally, im Januar noch als 'das langsamste Pferd' bezeichnet, hat wohl zwischenzeitlich gelernt, dass sie rennen kann. Und wie sie rennt. Während eines Durchlaufes geriet Sally dann mit den Hinterbeinen an das Flatterband, mit dem die bahn abgesperrt war, danach rannte sie nach kurzem Buckeln noch ein bißchen schneller - und Lara saß nach wie vor wie angewachsen.
Während der Siegerehrung sagte Daja, dass Lara mit Abstand am besten reitet - sie bekam auch einen Sonderpreis ;) Trotzdem nicht zur Nachahmung empfohlen.
Einfach nur schön anzusehen ist Reni, ein 16jährigen Lippizanerstute, die jahrelang ihr Dasein als Kutschpferd fristete und seit ca. 5 Wochen von Christian als Bogenreitpferd ausgebildet wird. Sie hatte in diesem Turnier ihren ersten Einsatz und ja - macht einfach was her. Weitere Bilder vom Turnier folgen, sobald sie fertig sind (und hoffentlich gelungen).
Mein persönliches Ergebnis war der geteilte 3. Platz im Schrittwettkampf von 4 Startern (noch mal Glückwunsch an alle anderen!) - aber das wesentliche war, dabeigewesen zu sein.
Tolles Wetter, schöner Ort, angenehme Atmosphäre und einfach nette Leute. Habe mich nur schweren Herzens zuerst von dem Stetson und danach von der Sunbow-Ranch getrennt. Diese 3 Tage waren ein vollständiger Urlaub und eine absolute Erholung, ich kann ein solches Erlebnis nur weiterempfehlen.
Danke an Christian und Daja für die zeit und die ganze Ausrüstung, zum nächsten Mal hab ich vielleicht selbst alles komplett ;)